Der absolute (Rinder)Wahnsinn…

Herrliches Wetter begrüßt uns an unserem letzten Tag in Frankreich.

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Nach einem windigen Morgenspaziergang starten wir um 11 Uhr Richtung Eurotunnel. Hier geht’s erst mal ab zum PetPoint. Kennen wir ja schon, wird aber beim 2. Mal auch nicht besser… Die Hunde sind am Vortag um 14 Uhr entwurmt worden, also habe ich den Zug online gebucht der um 14.20 fährt. Müsste alles passen. Nein, natürlich nicht. Als wir um 12 Uhr die Papiere der Hunde abstempeln lassen wollen, heißt es wir sind zu früh und wir sollen um 13 Uhr wiederkommen… Oh Mann, so langsam ist meine Geduld wirklich zu Ende…

Wider erwarten klappt allerdings alles als wir um 13 Uhr erneut am PetPoint ankommen. Papiere abstempeln, und auf geht’s zum Zoll. Natürlich werden wir auch dort wieder raus gewunken, während alle anderen Fahrzeuge an uns vorbei rollen. Erneut werden die Hundepapiere kontrolliert und es geht weiter zum Einchecken.

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Erfreulicherweise können wir einen Zug früher fahren und so stehen wir kurz darauf auch schon auf bzw. in unserem Zug. Vor uns ein Transporter, hinter uns ein Transporter, die Abteiltüren gehen zu und mir wird mulmig. Hab ich beim Tauchen kein Problem damit, dass so viel Wasser über mir ist, hier hab ich Schwierigkeiten. Aber jetzt gibt’s kein Zurück. Wir rollen los, und dann kann ich mich auch wieder entspannen. Ist alles gar nicht schlimm. 25 Minuten später ist dann der ganze Spuk auch schon wieder vorüber und wir rollen vom Zug direkt auf die Autobahn. Da ist er, der Linksverkehr… Extra deswegen haben wir für heute eine Campingplatzempfehlung 15 km nach Folkstone bekommen. Wir wollen am ersten Tag nicht zu weit auf der Suche nach einem Platz fahren. Christian schlägt sich tapfer, und schnell und ohne Probleme sind wir auf unserem 5 Sterne Campingplatz angekommen. Was für ein Luxus für uns… Die Sonne scheint zur Begrüßung und wir erholen uns nach den 2 anstrengenden Tagen.

Erholt und gut gelaunt starten wir am nächsten Tag bei bewölktem Himmel Richtung Sissinghurst Garden. Ein Gutshof mit schönen Gärten aus dem 16. Jh. Schon hier das erste Mal die Frage, ob wir Mitglied beim National Trust sind, dann wäre sowohl Parkplatz als auch Eintritt kostenlos. Eigentlich wollten wir uns die Mitgliedschaft in irgendwelchen Clubs sparen, aber schon hier bekommen wir einen Vorgeschmack auf die Englischen Preise… 13 Pfund für jeden… Autsch… Über 30 € für einen Garten?

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Weiter geht’s über englische Straßen (eng, kurvig und mehr Löcher als ein Schweizer Käse) vorbei an Bodiam Castle nach Winchelsea, der kleinsten Stadt Großbritanniens. Schon in den ersten englischen Stunden bin ich ein Fan dieser netten Dörfer mit ihren kleinen Farmen und Cottages, den Pubs und den tollen Friedhöfen und Kirchen. Kurz darauf landen wir in Pett Level direkt am Meer. Hier parken wir zwischen Schafen und Deich und begrüßen unser heißgeliebtes Meer. Bei einer steifen Brise heißt es mal wieder Muscheln sammeln und Möwen jagen… (Letzteres gilt eher für Sierra, weniger für uns)…

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Den ersten (und wahrscheinlich letzten) Wildstellplatz in England verlassen wir am Morgen und unser nächstes Ziel ist ein Campingplatz. Nein, wir wollen nicht schon wieder Luxus, wir wollen dem CaravanClub beitreten. Was wir immer als spießig angesehen haben, bleibt uns hier nicht erspart. Der letzte Tag hat uns gezeigt, dass Wildparken hier nicht mehr möglich ist. Jeder Wald, jeder Feldweg, alles ist mit Gattern abgesperrt, fast jeder Wanderparkplatz mit Balken begrenzt. Uns bleibt keine andere Wahl. Allerdings bietet der CaravanClub dafür auch einiges. Für 56 Pfund bekommen wir eine Mitgliedsnummer und ein Buch mit hunderten, kleinen Stellplätzen, privat von Farmern, Bauern oder Pubs wo man für wenig Geld auf Wiesen, Feldern oder in deren Gärten stehen kann. Im Gegensatz zum Campingplatz auf dem man ca. 20 Pfund für die Nacht zahlt, kann man hier schon für teilweise 4 Pfund übernachten. Obwohl wir zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt auf dem Campingplatz ankommen (Hier beginnt gerade Banks Holiday) und die Dame am Empfang alle Hände voll zu tun hat, werden wir superlieb behandelt und höflichst wird unserer Bitte sofort nachgekommen. 20 Minuten später sind wir Mitglied… Super, weiter geht’s die Küste entlang. In einem kleinen Küstenort wird Wäsche gewaschen und dann geht’s weiter über Eastbourne nach Beachy Head. Dort besichtigen wir mit vielen anderen Einheimischen, die ihr verlängertes Wochenende nutzen die Seven Sisters, die weißen Kreidefelsen.

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Von dort aus geht es über immer engere Straßen nach Alfriston. Der erste Stellplatz unserer neuen Mitgliedschaft wartet.

Dort angekommen gesellen wir uns zu ein paar anderen Wohnmobilen und jeder Menge Zelten auf einer riesigen Wiese. Uns scheint ganz England ist dieses verlängerte Wochenende unterwegs… Gefällt uns gut hier, und so machen wir uns auch gleich mal auf und erkunden die Gegend. Besser als in England kann man es als Wanderer eigentlich gar nicht haben. Überall Wanderwege, Fußpfade, Hunde Walks… Oft durch Äcker und Viehweiden… Ähm, ja genau, gute Idee mit zwei Hunden über eine Viehweide zu gehen… So schnell bin ich in meinem Leben wohl noch nie gerannt. Aber von Anfang an… Wir gehen einen Wanderweg entlang und kommen an ein Gatter. Der Weg führt mitten durch die Weide mit ca. 20 Mutterkühen und ihren Kälbern. Ja, dann mal los… Die Hunde an der Leine stapfen wir die ersten 10 Meter und schon kommen die neugierigen Vierbeiner auf uns zugelaufen. Und dann steht sie vor mir, die schwarze Kuh mit dem bösen Blick. Von Anfang an ist sie mir nicht geheuer… Ich drücke meinem Cowboy beide Leinen in die Hand (schließlich ist er derjenige, der vom Land kommt) und vorsichtig wagen wir uns vorbei. Langsam folgen sie uns und Blackie verfolgt mich mit ihren Blicken… Immer schneller gehe ich vorbei während Christian sie ein bisschen verscheucht. Dann allerdings wird Barney die Sache zu blöde und er bellt einmal… Hätte er mal lieber lassen sollen. Langsam umzingeln uns die Kühe, ganz voran natürlich Blackie… Und dann, weil unsere Hunde nie die Klappe halten können, erfolgt der Angriff… Ein Beller von Sierra und schon war es soweit. Blackie nimmt Anlauf, und ich seh‘ mich schon aufgespießt auf ihren Hörnern (hatte sie welche?) – egal… Barney und ich nehmen die Beine in die Hand und rennen… Und rennen… Und rennen… Bis wir wieder am rettenden Gatter sind und erst dann schauen wir nach unserem Cowboy und seinem Goldkind, der grinsend hinter uns angeschlendert kommt. Ja, lach du ruhig, ich sag dir sie hatte den bösen Blick… 😉

Nach dieser Aufregung und dann auch noch Regen bleibt mir nur eines… Ab ins Bett…

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Am nächsten Tag folgen wir bei Nieselregen und 14 Grad der Küstenstraße Richtung Worthing und kommen am Nachmittag in Selsey an. Wieder treffen wir sehr nette Engländer, fast jeder spricht mit uns, frägt nach unseren Hunden oder grüßt einfach nur sehr höflich. Die Engländer gefallen uns richtig gut, und in noch keinem anderen Land hatten wir so viel Kontakt zu Einheimischen. Wir gehen noch ein bisschen am Strand spazieren, und nachdem wir wie erwartet wieder keinen Wildstellplatz finden fahren wir auf einen kleinen Hof bei Bagnor Regis, wo wir im Riesengarten für 6 Pfund ganz alleine stehen dürfen. Als dann auch noch die Sonne raus kommt und wir auf den Holzbänken neben unserem Platz den Abend genießen sind wir uns einig… Tolles Land.

Den nächsten Tag beginnen wir mit Frühstück im Freien und stürzen uns dann ins Getümmel… Feiertag bei den Briten… Wie bei uns heißt das auch hier überfüllte Autobahnen und Landstraßen. Uns egal, wir haben Zeit. So kommen wir mittags im wunderschönen New Forrest Nationalpark an, der bekannt ist für seine freilaufenden Wildponys… Jede Menge davon sehen wir an diesem Nachmittag und dazu noch 600 Jahre alte Bäume, Rinder die frei durch die Ortschaft laufen und Eichen, die von der Queen gepflanzt wurden. Die Queen selber war leider gerade nicht da, hat wohl ihr neues Enkelkind besucht… So verbringen wir den Rest des Tages bis wir dann abends noch ein paar Kilometer weiter fahren bis zu einer Farm, wo wir auf der fußballplatzgrossen Wiese ganz alleine die Nacht verbringen.

Der heutige Tag beginnt mit Wind (sehr viel Wind) und Regen und Sonnenschein im Wechsel. Nach einem langen Spaziergang durch den Wald mit viel Wild starten wir Richtung Salisbury, angeblich eine der schönsten Städte Südenglands. Ist sie. Wirklich schön, und so bummeln wir ein bisschen durch die Stadt und machen Halt an einem Baumarkt. Nachdem Christian die teuerste Tube Silikon seines Lebens erstanden hat (17 Euro!!) und wir für 1,75€ den Liter Diesel getankt haben beschließen wir nach Stonehenge zu fahren. Der nächste Entschluss?? Wir werden Mitglieder im National Trust… Fast 50 Euro soll der Eintritt für uns beide zu den Steinchen kosten… Nein, da auch noch der Wind in Orkanstärke bläst ziehen wir unverrichteter Dinge wieder ab und verschieben Stonehenge. Wir gondeln noch ein bisschen durch die ländliche Gegend und treffen auf wirklich wundersame Dinge…

Wisst ihr was das ist??

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Genau ein CamPigPlatz… Auch Schweine brauchen Urlaub…

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Wir beschließen den stürmischen Tag auf der Wiese einer kleinen Farm.

1 Gedanke zu „Der absolute (Rinder)Wahnsinn…

  1. Hallo ihr lieben. Habe gerade noch mal den ganzen Blog gelesen. Wenn ich mir die schwarze Kuh, mit dem bösen Blick bildlich vorstelle,geht ein Grinsen über mein Gesicht und der Rest des Tages ist gerettet. Gruß aus Striesa! 🙂

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